Ratgeber

Girokonto wechseln: Schritt-für-Schritt-Anleitung 2026

10. Februar 2026
9 min
Benjamin Jeschke

Wie der Kontowechsel wirklich abläuft — mit Kontowechselservice, Zahlungspartner umziehen, altes Konto sicher kündigen, ohne dass Lastschriften platzen.



Viele scheuen den Kontowechsel, weil sie Chaos befürchten: eine geplatzte Miet-Lastschrift, ein vergessener Dauerauftrag, ein PayPal-Konto, das plötzlich nicht mehr abbuchen kann. Verständlich, aber unnötig. Der Wechsel ist heute weitgehend standardisiert, und ein Großteil der Arbeit läuft automatisch. Hier zeige ich dir den Ablauf so, wie er in der Praxis wirklich funktioniert.


Wann sich ein Wechsel lohnt


Ein Wechsel lohnt sich fast immer, wenn dein aktuelles Konto monatliche Grundgebühren verlangt, die ein vergleichbares Konto woanders nicht kostet. Genauso, wenn sich deine Lebenssituation geändert hat: neuer Job mit anderem Gehaltseingang, Umzug ins Ausland, Studienbeginn oder -ende, oder du reist inzwischen häufiger und ärgerst dich über Fremdwährungsgebühren. Auch schlechter Service oder eine App, die dich regelmäßig nervt, sind legitime Gründe.


Nicht jeder Wechsel lohnt sich sofort finanziell. Wenn dein Konto schon kostenlos ist und zu deinem Alltag passt, ist ein Wechsel nur wegen eines Neukundenbonus selten die Mühe wert. Rechne lieber grob durch, was du über ein Jahr an Gebühren sparst, bevor du dich entscheidest. Einen Überblick über typische Kostenblöcke findest du im Ratgeber zu Girokonto-Gebühren.


Der gesetzliche Kontowechselservice


Seit einigen Jahren gibt es in Deutschland einen gesetzlich geregelten Kontowechselservice, der aus dem Zahlungskontengesetz stammt. Er verpflichtet Banken dazu, dir beim Wechsel aktiv zu helfen, und zwar mit konkreten Fristen, nicht nur auf dem Papier.


Konkret läuft das so ab: Du eröffnest ein neues Konto und erteilst deiner neuen Bank eine Vollmacht, den Wechsel für dich zu koordinieren. Die neue Bank fragt daraufhin bei deiner alten Bank an, welche Daueraufträge, Lastschriftmandate und regelmäßigen Ein- und Ausgänge auf dem alten Konto laufen. Diese Informationen bekommt sie innerhalb weniger Werktage, und auf dieser Basis richtet sie Daueraufträge auf dem neuen Konto ein und informiert bekannte Zahlungspartner über deine neue Kontoverbindung.


Ein Missverständnis hält sich dabei hartnäckig: Der Service übernimmt Daueraufträge und informiert über Lastschriftmandate, aber er kündigt dein altes Konto nicht. Das bleibt deine Aufgabe, und genau dafür solltest du dir am Ende bewusst Zeit nehmen.


Schritt für Schritt


So gehst du den Wechsel praktisch an, ohne etwas zu vergessen.


1. Neues Konto eröffnen


Vergleiche zunächst in Ruhe, welches Konto zu deinem Bedarf passt: Gebühren, Bargeldversorgung, Auslandskonditionen, App-Qualität. In unserem Kontenvergleich kannst du gezielt filtern und siehst die aktuellen Konditionen mehrerer Banken nebeneinander. Eröffne das neue Konto erst, wenn du dich entschieden hast, zum Beispiel bei der DKB oder der ING, beide bieten einen digitalen Wechselservice direkt beim Eröffnungsprozess an.


2. Wechselservice aktivieren


Direkt nach der Kontoeröffnung bietet dir die neue Bank in der Regel an, den Kontowechselservice zu starten. Dafür gibst du ihr Zugriff auf dein altes Konto, meist über ein Log-in-Verfahren oder eine unterschriebene Vollmacht. Ab diesem Moment übernimmt die neue Bank die Kommunikation mit deinem alten Institut.


3. Zahlungspartner selbst prüfen


Auch wenn der automatisierte Service viel abnimmt, solltest du parallel eine eigene Liste führen. Gehe deine Kontoauszüge der letzten drei bis sechs Monate durch und notiere dir jeden wiederkehrenden Absender und Empfänger. Das ist der zuverlässigste Weg, wirklich nichts zu übersehen. Automatisierte Systeme erkennen nur, was als Lastschrift oder Dauerauftrag erkennbar ist, und nicht jede Direktüberweisung wird zuverlässig erfasst.


4. Altes Konto kündigen


Erst wenn du sicher bist, dass alle wichtigen Zahlungspartner umgestellt sind und mindestens ein bis zwei Gehalts- oder Zahlungszyklen über das neue Konto gelaufen sind, kündigst du das alte Konto. Wie du dabei formal korrekt vorgehst und was in eine Kündigung gehört, erklären wir ausführlich im Ratgeber zum Girokonto kündigen.


Typische Stolperfallen


  • Ein bestehender Dispokredit zieht nicht automatisch mit um. Beantrage den Rahmen beim neuen Konto separat und rechtzeitig, sonst stehst du im Übergang ohne Sicherheitspuffer da.
  • Der Wechselservice erfasst meist nur Daueraufträge, die zum Zeitpunkt der Anfrage aktiv sind. Ein selten genutzter Dauerauftrag, etwa eine jährliche Vereinszahlung, kann durchrutschen.
  • PayPal, Amazon und ähnliche Dienste bekommen Kontoänderungen nicht automatisch mit. Die Kontoverbindung musst du dort selbst in den Kontoeinstellungen ändern, sonst schlägt die nächste Abbuchung fehl.
  • Abos mit jährlicher Abbuchung geraten leicht in Vergessenheit: Versicherungen, Fachzeitschriften, manche Streaming-Dienste. Ein Blick in den Jahreskontoauszug hilft, sie aufzuspüren.
  • Und der wichtigste Punkt: Kündige das alte Konto nie, bevor du mindestens einen vollständigen Abrechnungszyklus über das neue Konto beobachtet hast. So siehst du in Ruhe, ob wirklich alles läuft.

Häufige Fragen


Wie lange dauert ein Kontowechsel insgesamt?


Der Kern des Wechselservice läuft meist innerhalb weniger Werktage, für die vollständige Umstellung inklusive Kontrolle solltest du aber realistisch vier bis sechs Wochen einplanen, bevor du das alte Konto kündigst.


Kostet der Kontowechselservice etwas?


Der gesetzliche Kontowechselservice selbst ist kostenlos. Achte trotzdem darauf, ob die neue oder alte Bank für einzelne Vorgänge wie eine vorzeitige Kartensperrung Gebühren berechnet. Das ist selten, aber möglich und steht im Preis- und Leistungsverzeichnis.


Muss ich beide Konten während des Wechsels parallel führen?


Ja, das ist normal und sinnvoll. Führe beide Konten so lange parallel, bis du sicher bist, dass alle Zahlungen sauber über das neue Konto laufen, und kündige das alte Konto erst danach.


Was passiert mit meiner Kreditkarte beim Wechsel?


Eine an das alte Konto gebundene Kreditkarte läuft in der Regel weiter, bis du sie kündigst oder das Konto schließt. Beantrage rechtzeitig eine neue Karte bei der neuen Bank, falls du eine brauchst, und plane etwas Vorlauf für den Versand ein.


Ist der Kontowechselservice gesetzlich vorgeschrieben?


Ja, die Grundzüge sind im Zahlungskontengesetz geregelt. Details und Fristen können sich ändern, prüfe daher im Zweifel die aktuellen Angaben deiner Bank oder der Verbraucherzentrale.


Falls du noch nicht weißt, wohin der Wechsel gehen soll: Der Kontenvergleich stellt Gebühren, Wechselservice und Auslandskonditionen mehrerer Banken nebeneinander.


Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung. Fristen und Details des Kontowechselservice können sich ändern. Prüfe die aktuellen Regelungen im Zweifel bei deiner Bank oder der Verbraucherzentrale.


Über den Autor

BJ

Benjamin Jeschke

Gründer & Redakteur von Girokonto Online

Gründer und Redakteur von Girokonto Online. Testet und vergleicht Girokonten aus eigener Erfahrung.

5+
Jahre Erfahrung
23
Konten getestet
28
Artikel
7
Aktive Tests

💡 Persönliche Test-Erfahrung:

Der Auslöser waren zu hohe Konto- und Auslandsgebühren bei meiner damaligen Hausbank. Seitdem teste ich systematisch Girokonten. Mein Hauptkonto ist seit Jahren die DKB – kostenlos und weltweit nutzbar.

Testet seit 5 Jahren • Favorit: DKB
Bei uns seit 2020
Zuletzt aktiv: 4.7.2026

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