Ratgeber

Dispozinsen verstehen & vergleichen: Nicht ins Minus zahlen

2. Juli 2026
7 min
Benjamin Jeschke

Wie der Dispo funktioniert, warum die Zinsen so hoch sind, der Unterschied zur geduldeten Überziehung und wie du günstiger wegkommst.



Der Dispokredit ist der bequemste Kredit, den du je aufnehmen wirst: Du musst nichts beantragen, nichts unterschreiben, das Konto rutscht einfach ins Minus, und die Bank bucht weiter ab. Genau diese Bequemlichkeit macht ihn gefährlich, denn Dispozinsen gehören zu den teuersten Krediten überhaupt. In diesem Artikel erkläre ich, wie die Zinsen berechnet werden, wo der Unterschied zur geduldeten Überziehung liegt und wie du im Ernstfall am wenigsten dafür bezahlst.


Was Dispozinsen sind und wie sie berechnet werden


Der Dispokredit, offiziell „eingeräumte Kontoüberziehung“, ist ein von der Bank vorab genehmigter Rahmen, bis zu dem dein Konto ins Minus gehen darf. Die Höhe richtet sich meist nach deinem regelmäßigen Geldeingang, oft liegt sie bei zwei bis drei Netto-Monatsgehältern. Sobald du diesen Rahmen nutzt, berechnet die Bank Zinsen, und zwar tagesgenau auf den jeweiligen Minusbetrag.


Das Prinzip dahinter lässt sich in einer Formel zusammenfassen: Zinsen = überzogener Betrag × Zinssatz × Anzahl der Tage im Minus / 360 oder 365 Tage im Jahr, je nach Zinsmethode der Bank.


Wenn du also drei Wochen lang mit 800 Euro im Minus stehst, zahlst du Zinsen nur für diesen Betrag und diesen Zeitraum, nicht für ein ganzes Jahr. Das erklärt, warum kurze, gelegentliche Überziehungen meist verkraftbar sind, während ein dauerhaftes Minus über Monate hinweg richtig ins Geld geht. Manche Banken verrechnen die Zinsen monatlich, andere quartalsweise. Schau dazu ins Preis- und Leistungsverzeichnis oder frag direkt nach, wie und wann bei deiner Bank abgerechnet wird.


Dispo vs. geduldete Überziehung


Wichtig ist die Unterscheidung zwischen zwei Fällen, die oft durcheinandergeworfen werden.


Der eingeräumte Dispo ist der vorab vereinbarte Rahmen. Überziehst du innerhalb dieses Rahmens, gilt der reguläre Dispozinssatz, der schon für sich genommen hoch ist.


Die geduldete Überziehung beginnt dort, wo der Dispo endet. Wenn eine Lastschrift oder Kartenzahlung dein Konto über den eingeräumten Rahmen hinaus ins Minus zieht und die Bank die Zahlung trotzdem ausführt, „duldet“ sie diese zusätzliche Überziehung, ohne dass du sie beantragt hast. Für diesen Teil verlangen die meisten Banken einen nochmals höheren Zinssatz als für den regulären Dispo, teilweise deutlich höher.


Kurz gesagt: Der Dispo ist teuer, die geduldete Überziehung ist in aller Regel noch teurer. Wenn du merkst, dass du regelmäßig über deinen Rahmen hinausrutschst, ist das ein klares Signal, mit der Bank über eine Anpassung des Dispolimits zu sprechen oder die eigenen Ausgaben zu prüfen.


Warum die Zinsen so hoch sind


Dispozinsen bewegen sich oft im zweistelligen Prozentbereich pro Jahr, deutlich über dem, was für Ratenkredite oder Baufinanzierungen üblich ist. Das hat mehrere Gründe. Der Dispo ist ungesichert, die Bank verlangt keine Sicherheiten und keine Bonitätsprüfung im klassischen Sinn, sie verlässt sich auf den Kontoumsatz. Er ist außerdem jederzeit ohne Kündigungsfrist nutzbar und wieder rückführbar, was für die Bank ein höheres Risiko und einen höheren Verwaltungsaufwand bedeutet als ein fest laufender Kredit.


Die genaue Höhe unterscheidet sich von Bank zu Bank spürbar, und sie hängt auch vom allgemeinen Zinsniveau ab. Verlass dich hier nicht auf Zahlen, die du vor einem Jahr gelesen hast. Schau dir die aktuellen Konditionen im Preis- und Leistungsverzeichnis deiner Bank an, bevor du eine Entscheidung triffst.


Günstiger wegkommen


Wenn du merkst, dass du den Dispo regelmäßig oder über längere Zeit nutzt, lohnt sich ein genauer Blick auf Alternativen.


  • Eine Umschuldung in einen Ratenkredit ist fast immer günstiger, weil Ratenkredite deutlich niedrigere Zinssätze haben. Für größere, absehbare Beträge, etwa eine Reparatur oder eine größere Anschaffung, ist das oft die bessere Lösung, statt den Betrag monatelang im Dispo mitzuschleppen.
  • Die Dispokonditionen unterscheiden sich zwischen Banken teils erheblich. Wer den Rahmen ohnehin regelmäßig nutzt, sollte das bei der Kontowahl einbeziehen, nicht nur die Kontoführungsgebühr.
  • Ein kleines Rücklagenkonto reduziert die Notwendigkeit, überhaupt in den Dispo zu rutschen, auch wenn es nur langsam wächst.
  • Und manchmal hilft schlicht ein Anruf: Bei dauerhaft gutem Zahlungsverhalten sind viele Banken bereit, über eine Anpassung des Zinssatzes oder des Rahmens zu verhandeln.

Unser Vergleich zeigt, welche Konten neben niedrigen laufenden Gebühren auch bei den Dispokonditionen gut abschneiden, etwa das DKB-Girokonto oder das ING-Girokonto. Einen guten Überblick über sämtliche Kostenarten rund ums Konto gibt außerdem unser Artikel zu Girokonto-Gebühren.


Häufige Fragen


Wie hoch sind Dispozinsen normalerweise?


Das lässt sich nicht pauschal in einer festen Zahl beantworten, da sich die Sätze zwischen Banken und über die Zeit deutlich unterscheiden. Oft liegen sie im zweistelligen Prozentbereich pro Jahr. Prüfe die aktuellen Konditionen immer direkt im Preis- und Leistungsverzeichnis deiner Bank.


Zahle ich Dispozinsen nur, wenn ich den Rahmen tatsächlich nutze?


Ja. Solange dein Konto im Plus oder bei null ist, fallen keine Dispozinsen an. Zinsen entstehen ausschließlich tagesgenau auf den jeweiligen Minusbetrag, den du tatsächlich nutzt.


Was passiert, wenn ich den Dispo überziehe?


Dann greift die geduldete Überziehung, für die die meisten Banken einen nochmals höheren Zinssatz verlangen als für den regulären Dispo. Zusätzlich kann das Überschreiten des Rahmens Rückfragen der Bank oder in wiederholten Fällen eine Anpassung deines Kreditrahmens nach sich ziehen.


Verschlechtert häufige Dispo-Nutzung meine Bonität?


Der Kontostand selbst wird in der Regel nicht direkt an Auskunfteien gemeldet, kann aber indirekt eine Rolle spielen, etwa wenn die Bank aufgrund des Zahlungsverhaltens eine interne Bonitätseinschätzung anpasst. Bei ernsthaften Zahlungsschwierigkeiten, etwa gescheiterten Lastschriften, kann es hingegen zu einer Meldung kommen.


Lohnt sich ein Kontowechsel wegen des Dispozinses?


Wenn du den Dispo regelmäßig nutzt, ja. Der Unterschied zwischen einem günstigen und einem teuren Dispozins kann über die Zeit erheblich sein. Nutze unseren Rechner, um deine persönliche Kostensituation mit unterschiedlichen Konditionen durchzuspielen, bevor du dich für ein Konto entscheidest.


Hinweis: Dieser Artikel ist keine rechtliche oder steuerliche Beratung. Zinssätze, Rahmenbedingungen und Konditionen ändern sich. Prüfe die aktuellen Werte immer direkt bei deiner Bank.


Über den Autor

BJ

Benjamin Jeschke

Gründer & Redakteur von Girokonto Online

Gründer und Redakteur von Girokonto Online. Testet und vergleicht Girokonten aus eigener Erfahrung.

5+
Jahre Erfahrung
23
Konten getestet
28
Artikel
7
Aktive Tests

💡 Persönliche Test-Erfahrung:

Der Auslöser waren zu hohe Konto- und Auslandsgebühren bei meiner damaligen Hausbank. Seitdem teste ich systematisch Girokonten. Mein Hauptkonto ist seit Jahren die DKB – kostenlos und weltweit nutzbar.

Testet seit 5 Jahren • Favorit: DKB
Bei uns seit 2020
Zuletzt aktiv: 4.7.2026

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